Schnittmuster vergrößern oder verkleinern – so gehts ganz leicht!

Im ersten Teil meines Tutorials habe ich Dir die Mathematik gezeigt, die hinter all dem hier steckt. Jetzt kommen wir endlich zum praktischen Teil: In 5 einfachen Schritten zeige ich Dir, wie du ganz schnell dein Schnittmuster vergrößerst oder verkleinerst.

Für dieses Tutorial habe ich ein Schnittmuster gewählt, dass gerade Linien, Rundungen und einen Stoffbruch beinhaltet. Und damit es nicht zu unübersichtlich ist, nehme ich eines der einfachsten Schnittmuster, die ich habe: eine Kinderhose – genauer gesagt, die von Mama und Sohn heiß geliebte Käferchen-Hose (tolles GRATIS-Schnittmuster!!!) der großartigen Frau Käferin.

Ich Skaliere von Größe 98 auf Größe 74.

Schritt 1: Materialien

  • Papier
    Ob Du nun spezielles Schnittmusterpapier wählst oder wie ich eine Rolle Packpapier verwendest, Du solltest darauf achten, dass es natürlich groß genug ist und nicht gleich zerreißt, wenn Du Linien wegradierst.
  • Bleistift und Radiergummi
    Du brauchst einige Hilfslinien und sie sollten wirklich sorgfältig eingezeichnet werden, also lieber einmal wegradieren und neu zeichnen, als durch schiefe und ungenaue Linien einen schlechten Schnitt zu bekommen.
  • Filzstift
    Nicht unbedingt nötig, aber wenn sehr hilfreich, um den Überblick zu behalten. Außerdem rettest Du damit endgültige Linien davor, aus Versehen wegradiert zu werden
  • Lineal
    Am besten wäre hier ein Patchwork-Lineal, weil Du damit kinderleicht rechte Winkel zustande bringst. Wenn Du keines hast, ist das aber auch nicht weiter schlimm, irgendwo wird sicher noch ein Geodreieck aus der Schule herumliegen, damit geht das auch!




Schritt 2: Eckpunkte und Hilfslinien einzeichnen

Als erstes musst Du das Original-Schnittmuster auf das Papier übertragen. Dazu könntest du es zwar einfach aufkleben, aber ich davon ab. Sobald das Schnittmuster auf dem Papier ist, zeichnest du es mit Filzstift nach.Danach kommen schon die Hilfslinien und Eckpunkte: Hilfslinien sind Geraden, die im rechten Winkel zueinander stehen. Eckpunkte sind die wichtigsten Ecken des Schnittmusters, die durch die Hilfslinien markiert werden.Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Du zeichnest eine Art Gitter über Dein Schnittmuster, so dass alle wichtigen Punkte (die „Ecken“ des Schnittmusters) durch zwei sich kreuzende Hilfslinien markiert werden.

Schritt 3: Der Ursprung

Jetzt wählst Du Deinen Ursprung. Das ist einer der Punkte, die Du im vorherigen Schritt mit den Hilfslinien markiert hast. Wenn Dein Schnitt einen Stoffbruch hat, nimm einen Punkt, der auf dem Stoffbruch liegt. Wenn nicht, hast du freie Wahl.Damit wären die Vorbereitungen fertig und Du kannst endich skalieren:

Schritt 4: Eckpunkte und Hilfslinien skalieren

Alle Punkte, die Du jetzt markiert hast, müssen verschoben werden. Näher zusammen, wenn Du den Schnitt verkleinern willst, oder weiter auseinander, wenn er größer werden soll. Wichtig ist, dass Du dabei ihr Verhältnis zueinander nicht änderst.Der Ursprung bleibt, wo er ist. Jetzt misst du ausgehend vom Ursprung die Länge deiner Linien bis zum nächsten Eckpunkt, multiplizierst die Länge mit dem Faktor (HIER gehts zum Skalierungsrechner) und markierst diesen neuen Punkt mit zwei neuen Hilfslinien.Das machst Du jetzt mit allen Eckpunkten. Wenn Du fertig bist, solltest Du doppelt soviele Punkte (der Ursprung zählt doppelt) wie am Anfang haben. Wenn Du magst, kannst Du die neuen Hilfslinien farblich markieren, um den Überblick nicht zu verlieren.

Schritt 5: der skalierte Schnitt

Das Schwierigste hast Du jetzt eigentlich schon geschafft. Jetzt musst Du nur noch den skalierten Schnitt durch die neu eingezeichneten Punkte zeichnen.Geraden gehen sehr einfach, für Rundungen brauchst Du etwas Gefühl. Wenn Du Dir die Rundung mit nur zwei Punkten nicht zutraust, kannst du jederzeit zum Original-Schnittmuster zurück gehen und dir weitere Hilfspunkte einzeichnen (die Du dann natürlich auch wieder wie in Schritt 4 erklärt skalieren musst).FERTIG!



Digitales Schnittmuster (Vektorgrafik) skalieren

Wenn Du Dein Schnittmuster als Vektorgrafik digitalisiert hat (zum Beispiel mit Inkscape), geht das alles natürlich noch viel schnellet: Du berechnest den Faktor und überlässt es dem Computer, die Größe richtig anzupassen. (Ich gehe davon aus, dass Du in diesem Fall weißt, wie das Skalieren geht. Wenn nicht, schreib es mir in den Kommentaren und ich gerne mache auch dafür ein Tutorial)

Ja, es hat lange gedauert, bis es hier den zweiten Teil gibt…

Danke an alle, die mich getreten haben!

Hat Dir das Tutorial weiter geholfen? Ich habe mich bemüht, alles so verständlich wie möglich zu beschreiben. Hoffentlich kommst Du mit meinen Erklärungen zurecht. Wenn nicht, schreib mir bitte in den Kommentaren, wo ich noch etwas verbessern muss!

 

Hier geht’s zu den anderen Teilen des Tutorials

4 Antworten auf „Schnittmuster vergrößern oder verkleinern – so gehts ganz leicht!“

  1. Wow! ich habe es nun endlich geschafft meinen ersten Schnitt zu vergrößern. Es hat super funktioniert und ich bin absolut begeistert. Du hast mir mit Deinem Tutorial einen riesen Gefallen getan. Dankeschön:-)

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