stilltaugliches Landsknecht-Kleid (WIP) – Teil 2: Schnitterstellung Oberteil

Nachdem ich ja im Teil 1 das Vorhaben „stilltaugliches-Renaissance Kleid im Landsknecht Stil“ grob umrissen habe, geht es jetzt gleich zum – in meinen Augen – kompliziertesten Teil des Ganzen: der Schnittmustererstellung für das Oberteil.

Einen historisch korrekten Schnitt kann ich leider nicht verwenden, da sich dieser Schnitt mit dem Stillen nicht vereinbaren lässt. (Obwohl die Damen zu der Zeit sicherlich vor dem gleichen Problem gestanden haben und sicher nicht so rumgezickt haben, wie ich das gerade mache 😀 )

Schritt 1: Der Grundschnitt
Ich besitze bis jetzt noch keinen passenden Grundschnitt, den ich für das Oberteil verwenden könnte, als muss er erst konstruiert werden.

Da der Grundschitt einerseits neu ist und ich andererseits noch nie einen Grundschnitt erstellt habe, traue ich der Sache nicht ganz und habe erst einmal ein Probestück aus einem billigem Stroffrest gemacht. Zum Glück! Dieses erste Probestück passt zwar sehr gut, ist aber für meine Zwecke viel zu weit. Also wieder ran an die Konstruktion und dieses mal wird ein körper-näherer Schnitt konstruiert und wieder ein Probestück genäht.

Die zweite Schnittkonstruktion passt schon sehr viel besser!
Es gibt eigentlich nur 2 winzige Kleinigkeiten, die ich gerne noch verbessert hätte. Einerseits gibt es immer noch hässliche Falten am Rücken (gelbe Kreise),  anerderseits finde ich den Armausschnitt vorne viel zu groß (roter Kreis).

Probestück_2

Die Falte am Rücken ist mir erst bei der Bearbeitung des Fotos aufgefallen. Sie kommt hier auch viel massiver rüber, als sie in Wirklichkeit ist. Da ich hinten sowieso einen deutlich tieferen Ausschnitt haben werde, glaube ich, dass es nicht weiter schlimm ist, wenn ich diese Falte ignoriere.

Was den Armausschnitt angeht: statt noch einmal ein komplettes Probestück zu nähen, habe ich einfach einen Stoffrest an die entsprechende Stelle festgesteppt, in der neuen Form zugeschnitten und das Teil wieder angezogen.

Armausschnitt_1Der Armausschnitt ist es nicht mehr zu großzügig, aber er steht ganz hässlich ab. Also muss da noch ein weiterer Abnäher gemacht werden. Also zurück zur Konstruktion, der entsprechende Abnäher eingezeichnet und in den oberen Abnäher verschoben. Und ein neues Probestück genäht. Und – tadah! – es passt wunderbar! Der Grundschnitt wäre soweit fertig.

Grundschnitt

Schritt 2: Der Kontruktionsschnitt
Der Plan ist, nicht nur einen passenden Ausschnitt zu bekommen, sondern auch, die lästigen (und viel zu modernen) Abnäher loszuwerden.

Am Vorderteil habe ich als erstes aus den zwei Abnähern einen gemacht und den dann so verlegt, dass er sich wunderbar unter der vorderen Blende verstecken lässt.

Das Rückenteil ist etwas widerspenstiger.

Der Grundschnitt besteht ja nur aus einem halben Rückenteil, also habe ich dieses Schnittteil erst einmal gespiegelt und dann aneinandergelegt, um die Rückennaht los zu werden. Hat auch soweit geklappt, nur habe ich auch einen weiteren Abnäher generiert 😡

Die (mittlerweile 5) Abnäher lassen sich leider nicht so leicht zusammenlegen, wie es am Vorderteil der Fall war. Die Schulterabnäher und einer der beiden Taillenabnäher lassen sich ja noch relativ leicht wegmogeln und auch der Abnäher, der die ehemalige Rückennaht verunstaltet lässt sich so manipulieren, dass er komplett unter der Blende liegt.

Nach langer Bastelei bin ich endlich die lästigen Abnäher losgeworden. Dafür habe ich zwar mein bereits fertiges Vorderteil noch einmal abändern müssen, dafür gibt es jetzt lediglich 3 Abnäher, die jeweils unter der Blende versteckt liegen und außer den Seitennähten keine weiteren Teilungsnähte.

fertiger Schnitt

Allerdings sehen die neuen Schittteile irgendwie komisch aus.

Ich möchte den schönen Stoff nicht kaputt schneiden und – wie schon erwähnt – diese ganze Schnitterstellung samt Anpassung ist Neuland für mich. Also noch ein Probestück, um die Passform nochmal zu überprüfen.

Probestück3

Es passt! Um noch näher an eine historisch korrekte Optik zu kommen, müsste man es historisch korrekt nähen! Was – im Nachhinein betrachtet – wahrscheinlich deutlich weniger Zeit gekostet hätte. Allerdings ist dieses Oberteil jetzt sehr viel bequemer zu tragen als meine Renaissance-Kleider, die komplett ohne Abnäher entstanden sind.

Die falten, die es jetzt noch zu sehen gibt, werden bei endgültigen Oberteil verschwinden, da ich dann den Stoff versteifen werde. Und was den Reißverschluss angeht: das ist einfach nur eine bequeme Art, Probestücke schnell an- und wieder auszuziehen, das fertige Kleid bekommt selbstverständlich keinen Reißverschluss!

Hier geht es zu den anderen Teilen des Landsknecht-Kleides:

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